Klassische Migräne
Die klassische Migräne verläuft meist kürzer als die anderen Formen, aber oft wesentlich heftiger. Sie beginnt mit einer Aura, die etwa 20 bis 30 Minuten dauert. In dieser Zeit treten verschiedene Halluzinationen auf, oft begleitet von Sprachstörungen. Besonders häufig kommen optische Halluzinationen vor, wie weiße oder farbige Blitze, Sterne und geometrische Muster, Funken, flimmernde Wellen oder vielfarbige Zichzacklinien. Diese Aura kann bei jedem Anfall gleich ablaufen, nicht selten treten aber immer wieder andere Halluzinationen auf.
Bei einer seltenen Sonderform der klassischen Migräne führt die Aura nicht zu Halluzinationen, sondern erzeugt Bewegungsstörungen bis hin zu vorübergehenden Lähmungen. Diese Verlaufsform bezeichnet man auch als motorische Aura oder Migraene accompagnee.
Der nach der Aura eintretende heftige Schmerzanfall kann schon nach 2 bis 3 Stunden überstanden sein, selten dauert er länger als 12 Stunden. Die Schmerzen verschwinden meist innerhalb weniger Minuten. Manchmal folgt auf die Aura kein Schmerzanfall.
Einfache Migräne
Die einfache Migräne bedeutet lediglich, daß dem Anfall keine Aura wie bei der klassischen Form vorausgeht. Die bevorstehende Schmerzattacke kündigt sich oft schon am Tag zuvor an, z.B. durch allgemeines Unwohlsein, aber auch Unruhe, Gereiztheit und Panikzustände. Ungefähr 10 bis 30 Minuten vor dem akuten Anfall beginnt das Vorstadium mit typischen Warnzeichen:
- Unruhe, Erregungszustände, gehobene oder gedrückte Stimmungslage.
- Schwindelgefühl, manchmal auch Anstieg des Blutdrucks.
- Sprech-, Seh- und Gefühlsstörungen, vor allem der Inselförmige Ausfall des Gesichtsfelds, manchmal sogar vorübergehende Erblindung des Auges auf der schmerzenden Seite.
- Abnormer Hunger oder Durst, Blähungen, Koliken, oft auch verminderte Harnausscheidungen.
Nach diesen Vorboten beginnt der Schmerzanfall. Manche Migränekranke verspüren nur leichte Kopfschmerzen, bei anderen treten fast unerträgliche Schmerzzustände auf. Beim typischen Verlauf setzt der Kopfschmerz heftig und meist einseitig ein; hauptsächlich besteht er über der Augenhöhle, hinter dem Auge, im Bereich der Nasenwurzel, Stirn oder des Scheitels, selten hinter dem Ohr, im Hinterkopf, in der Wangen-, Oberkiefer- oder Unterkieferregion. Im Verlauf des Anfalls kann der Schmerz zur anderen Seite wechseln oder den gesamten Kopf betreffen. Der Schmerz wird meist als pochend oder hämmernd beschrieben und hält eine bis mehrere Stunden an.
Danach geht der Anfall ins Stadium 2 über, bei dem ein dumpfer heftiger Dauerkopfschmerz besteht; er dauert Stunden bis Tage. Äußere Sinnesreize, vor allem Licht, Gerüche und Geräusche, können den Schmerz schier unerträglich verschlimmern.
Die akute Migräneattacke endet auf unterschiedliche Art. Manche Patienten fallen kurz in einen Tiefschlaf, bei anderen endet der Anfall mit Durchfall, Erbrechen, stark vermehrter Harnausscheidung, Schweiß- oder Tränenausbruch.
Migraine cervicale
Migraine cervicale entsteht durch Veränderungen an der Halswirbelsäule. Die Symptomatik entspricht in etwa der einfachen Migräne. Abgesehen von den sehr heftigen, zumeist einseitigen Kopfschmerzen treten bei der Migraine cervicale insbesondere noch einseitige Hör- und Sehstörungen sowie Schwindel auf, die sich ebenfalls aus den Veränderungen an der Wirbelsäule erklären. Typisch ist häufig, daß die Anfälle durch bestimmte Haltungen und Bewegungen des Kopfes ausgelöst werden.
Nicht selten nehmen die Patienten auch Knacken und Knirschen bei Kopfbewegungen wahr, das von der geschädigten Halswirbelsäule ausgeht. Die Muskulatur des Nackens, zum Teil auch noch der Schultern, wird durch die ständige Nervenreizung chronisch verkrampft; das kann man als muskulären Hartspann von außen tasten.



