Migräne wurde immer schon als Frauenkrankheit aufgefasst, obgleich in der Fachliteratur der Begriff der “menstruellen Migräne” sehr breit gefasst ist. Forschungsergebnisse hätten zudem gezeigt, betonte jetzt der Neurologe Prof. Dr. Hartmut Göbel in den Neuropsychiatrischen Nachrichten, dass diese als selbstverständlich angesehene Verbindung zwischen Hormonen, Menstruation etc. und Migräne relativiert werden muss.
Migräneattacken, die ausschließlich während der Monatsblutung ablaufen, stellen – laut Göbel – eine “extrem große Seltenheit” dar. Auch ein Zusammenhang mit dem so genannten prämenstruellen Syndrom (PMS) sei bisher “wissenschaftlich nicht nachgewiesen”. Die Migräneattacken im zeitlichen Zusammenhang mit der Menstruation unterschieden sich nicht von den sonstigen Anfällen. Bei den Patientinnen, bei denen tatsächlich ausschließlich während der Periode Migräneattacken auftreten, findet sich ein festes zeitliches Verhältnis zwischen Auftretens- und Menstruationszeit, sagte er.
Aus diversen Studien sei bekannt, dass der Migräne-Auslösefaktor im Zusammenhang mit der Regelblutung im Abfallen der Hormonspiegel von Östrogen und Progesteron zu sehen ist. Bei entsprechend empfindlichen Frauen kann der Auslösung der Migräne durch die Gabe von Östrogen vorgebeugt werden, erklärte der Kopfschmerz-Experte und verwies darauf, dass vermutlich der Abfall des Östradiolspiegels im Blutplasma für das Entstehen der Migräneattacke verantwortlich gemacht werden kann.
(Frauen-)Ärzte therapierten früher häufig mit Östrogengaben drei bis zehn Tage vor der Periode. Allerdings zeigte sich, laut Göbel, dass damit der Zeitpunkt des Eintretens der Migräneattacke nur verschoben wird, bis der natürliche Abfall wiederum auftritt. Als wirksam, aber in Deutschland (noch) nicht zugelassen, habe sich die Gabe von Östrogen in Form von einem auf die Haut auftragbaren Gel erwiesen. Damit ließe sich bei den betroffenen Patientinnen weitgehend die Auslösung der Migräneattacke verhindern, vorausgesetzt allerdings, dass “tatsächlich dieser enge, ausschließliche Zusammenhang zwischen dem Hormonspiegelabfall und der Migräneattacke besteht.”
Fazit des Experten: Die Migräneattacke, unabhängig, ob sie nun im Zusammenhang oder nicht mit der Menstruation auftritt, sollte vom Facharzt behandelt werden; der kann in schweren Fällen nämlich auch frühzeitig eine konsequente prophylaktische Therapie einleiten.



