1. Sauerstoff
Auf jeden Fall sollte jeder Patient mit einer Sauerstoff-Therapie beginnen. Sauerstoff ist das natürlichste Medikament. Sauerstoff wirkt deshalb so gut, da Clusterkopfschmerzen vermutlich durch eine Verengung der Adern/ Gefäße im Gehirn entsteht. Purer Sauerstoff weitet die Adern im Gehirn und lindert somit die Schmerzen. Bei einer Sauerstoff-Therapie, die bei einem akuten Anfall geeignet ist, sollte eine Dosis zwischen 6-8l/min genommen werden.
2. Aspirin
Viele CH-Patienten bezweifeln die Wirkung von dem Klassiker aus Leverkusen. Aspirin sollte aber dennoch nicht übergangen werden und kann in der Tat sehr nützlich sein, da es geringe Nebenwirkungen hat und als allgemein ungefährlich gilt. Empfehlenswert sind 2 Brausetabletten in einem Glas aufzulösen (ggf. 2 Gläser mit je 2Tabletten). Brausetabletten haben den Vorteil, dass sie ihre Wirkung schneller entfalten. Die Wirkung des hochdosierten Aspirin ist eine indirekte: Aspirin macht müde. Diese Müdigkeit läßt den immensen Schmerz des Clusterkopfschmerzes scheinbar geringer werden. Zumindest wird die allgemeine Schmerzsituation deutlich geringer.
3. Imigran
Imigran gibt es in mehreren geeigneten Varianten und Stärken. Am besten wirkt Imigran als Spritze (subkutan). Dies wird als Fertigset angeboten. Jedoch ist es für die meisten CH-Patienten aufgrund der hohen Schmerzen nicht möglich, das Medikament selbst zu injezieren. Von daher wird in der Regel auf Imigran Tabletten zurückgegriffen. Diese gibt es als 50mg und 100mg Dosis. Auf jeden Fall sollten Sie zuerst mit Imigran 50mg beginnen. Sollte die Wirkung zu gering sein, ist in Erwägung zu ziehen, Imigran 100mg einzunehmen. Allerdings ist bei diesem Medikament zu beachten, dass es zum einen relativ viele Nebenwirkungen hat und zum anderen eine extrem starke Wirkung zeigt (durch den Wirkstoff Sumatriptan). Es wird empfohlen, eine Packung (6 Tabletten) über eine Episode einzunehmen. Imigran hilft bei akutem Clusterkopfschmerz.
4. Cortison / Prednison
Prednison hilft allgemein über einen längeren Zeitraum. Es wird angewendet, um die Frequenz der Attacken zu reduzieren. Dabei wird dem Patienten ein Prednison-Stoß verabreicht (160mg an den ersten Tagen), danach wird die Dosis langsam reduziert. Dies ist eine sehr wirkungsvolle Methode, um eine ganze Episode drastisch zu kürzen. Allerdings darf man auch hier die Nebenwirkungen nicht außer acht lassen. Dauer der Anwendung: ca. 3-6 Wochen. Prednison wird als Langzeittherapeutikum eingesetzt und hilft nicht bei einer akuten Attacke.
5. Lithium
Lithium ist die Alternative zu Prednison. Die Wirkungs ist nahezu identisch. Es kann vorkommen, daß bei dem einen Patienten Prednison nicht wirkt, sodaß man auf Lithium ausweichen kann. Bei Lithium sind jedoch regelmäßige Blutuntersuchungen notwendig, um den Lithiumspiegel im Körper zu kontrollieren. Auch muß der Patient ein relativ gesundes und konstantes Essverhalten haben, damit die Salzwerte im Körper nicht stark schwanken. Sonst wirkt es nicht. Auch hier sind die Nebenwirkungen zu beachten. Lithium ist auch ein Langzeittherapeutikum.
6. Isoptin
Isoptin gehört auch in die Reihe der präventiven Medikamente. Der Vorteil hierbei ist, daß die Nebenwirkungen sehr gering sind. Isoptin ist ein Herzmittel, welches die Gefäße erweitern soll. Das heißt, es arbeitet ähnlich wie der Sauerstoff. Die Wirkung ist deutlich geringer als bei Prednison oder Lithium. Allerdings ist das Isoptin erstrangig einzusetzen. Wenn es hilft, kann man sich die “härteren” Medikamente sparen.
7. Deseril
Deseril ist ebenso wie Isoptin zu empfehlen. Hierbei ist es sinnvoll, beide Medikamente zu kombinieren. Deseril sollte über einen Zeitraum von ca. 3-4 Wochen eingenommen werden.
8. Ergotamin Inhalations-Spray
Dieser kleine handliche Inhalator hilft sehr gut bei akuten Attacken und lindert den Schmerz. Allerdings wurde dieses Medikament vor einigen Jahren vom Markt genommen, da entsprechende Nebenwirkungen auftraten. Jedoch war die Wirkung sehr gut. In manchen Ländern (nicht EU-Länder) ist dieser Ergotamin-Inhalator noch erhältlich.
9. Alternativen zur Akutbehandlung
Manchmal kommt eine Attacke und man hat keine Medikamente. Was also tun? Zum einen hilft erstmal der Weg an die frische Luft. Hier empfiehlt es sich, tief zu atmen. Am besten sind Wälder, wo der Sauerstoffgehalt höher ist. Bei manchen CH-Patienten hilft aerober Sport wie Jogging etc. sehr gut. Man sollte auf jeden Fall keine Zigaretten konsumieren oder Alkohol verzehren.
10. Alternativen zur Langzeittherapie
Hier gibt es verschiedene Ansätze. Zum einen sollte auf jeden Fall der Alkoholkonsum drastisch reduziert, wenn nicht sogar gänzlich eingestellt werden. Nikotin sollte vermieden werden. Auch der Aufenthalt in verrauchten Räumen ist nicht gut und kann ggf. eine Attacke auslösen. Desweiteren ist es sehr wichtig, die Ernährung anzupassen. Es sollten Nahrungsmittel vermieden werden, die Glutamat enthalten. Da hilft ein Blick auf die Verpackung. Außerdem sollten Fisch, Meeresfrüchte und Milchprodukte sowie fetthaltige Nahrungsmittel (auch Fastfood) vermieden werden.
Es gibt Theorien, die besagen, daß der Blutzuckerspiegel verantwortlich ist für eine Cluster-Attacke. Dabei hat dies nichts mit Diabetis zu tun, sondern viel mehr mit der Tatsache, daß eine Attacke ausgelöst werden kann, wenn ein bestimmter Blutzuckerpegel X überschritten wird.
Da diese Theorie weder bewiesen noch widerlegt ist, ist es vielleicht ratsam, desweiteren auf Zucker, zuckerhaltige Produkte und Süßigkeiten zu verzichten.
11. Methysergid
Methysergid gehört in die Reihe der wirksamen Medikamente welche zur Prophylaxe des episodischen Clusterkopfschmerzes eingesetzt werden. Bei Migräne wird Methysergid eher weniger eingesetzt, weil die Langzeitanwendung eine retroperitoneale oder pulmonale Fibrose hervorrufen kann. Allerdings ist diese Problematik beim episodischen Clusterkopfschmerz weniger von Bedeutung aufgrund des zeilich begrenzten Einsatzes. Die prophylaktische Therapie mit Methysergid sollte aus diesem Grund auf drei bis max. sechs Monate limitiert werden. Danach sollte eine Pause eingelegt werden und frühestens nach 4 Wochen die Therapie fortgesetzt werden. An weiteren Nebenwirkungen sind Muskelschmerz, Übelkeit, Kopfdruck, Mißempfindungen, und Fußödeme bekannt. Die Erfolgsrate von Methysergid beträgt etwa 70%. Jedoch kann die Wirksamkeit im Laufe der Zeit abnehmen. Bis sich ein Erfolg einstellt, sollte die Dosierung langsam aufgebaut werden. Empfohlen wird eine Dosierung von 3 x 1 mg Methysergid pro Tag und später eine maximale Dosis von 3 x 2 mg pro Tag.
12. Valproinsäure
In Studien ergeben sich Hinweise darauf, daß auch Valproinsäure zur Prophylaxe des Clusterkopfschmerzes eingesetzt werden kann. Hinweise für eine besondere Vorteilhaftigkeit oder Überlegenheit dieser Therapieform gegenüber den oben genannten Substanzgruppen ergeben sich dabei jedoch nicht. Bei Wirkungslosigkeit anderer Therapiemethoden kann der Einsatz von Valproinsäure im Einzelfall versuchsweise erwogen werden. Dabei empfiehlt sich eine einschleichende Dosierung mit stufenweisem Aufbau der optimal wirksamen Dosis. Die Initialdosis beträgt dabei in der Regel 5 – 10 mg/kg Körpergewicht, die alle vier bis sieben Tage um etwa 5 mg/kg erhöht werden sollte. Die mittlere Tagesdosis beträgt für Erwachsene im allgemeinen 20 mg/kg Körpergewicht. Eine Effektivität kann teilweise erst nach zwei bis vier Wochen beobachtet werden. Aus diesem Grunde sollte eine langsame Dosisanpassung erfolgen und der Therapieerfolg im Einzelfall abgewartet werden. Bei Erwachsenen werden in der Regel Tagesdosen von 1.200 mg, verteilt auf drei Einzelgaben, verabreicht. Der Einsatz erfordert regelmäßige klinisch-neurologische Kontrolluntersuchungen durch einen mit der Substanz erfahrenen Neurologen, einschließlich Kontrolle von Laborparametern.
13. Unwirksame bzw. obsolete Therapieverfahren
Übliche Analgetika, seien es Opioid- oder Nicht-Opioid-Analgetika, sind in der Therapie der akuten Cluster-Attacke wirkungslos. Da Cluster-Attacken nach dreißig bis sechzig Minuten spontan abklingen können, wird von vielen Patienten irrtümlicherweise angenommen, daß dieses Abklingen durch die Applikation eines Analgetikums erzielt wird. Die Folge ist, daß über Jahre oder Jahrzehnte unnötigerweise ineffektive und nebenwirkungsträchtige Medikamente eingenommen werden. Ohne Wirksamkeit sind auch Carbamazepin, Phenytoin, Betablocker, Antidepressiva, MAO-Hemmer, Histaminantagonisten, Biofeedback, Akupunktur, Neuraltherapie, Lokalanästhetika, physikalische Therapie, operative Maßnahmen und jegliche Form der Psychotherapie.



